Projektmanager


Empfinden Sie Ihren Job als anstrengend?
Phasenweise ja. Teilweise ist es recht stressig und ich habe eine hohe Arbeitsintensität. Es gibt aber auch Phasen, dann, wenn alles in einen Fluss gekommen ist, die wieder ruhiger sind.

Ist Ihr Beruf abwechslungsreich?
Definitiv, ja. Ich habe immer neue Projekte und neue Herausforderungen. Das ist auch der Grund warum ich im Projektmanagement arbeite. Die Projekte dauern meist etwa drei Jahre und anschließend startet ein neues.

Wie würden Sie Ihre Tätigkeit beschreiben?
Meine Tätigkeit in den letzten Jahren ist die Planung von Aufbau, Wartung und Instandhaltung von Offshore-Plattformen. Zu neunzig Prozent sitze ich im Büro des Kunden – in der Regel ist dies der Betreiber eines Windparks. Hier bauen wir Wartungspläne und eine Struktur für den Betrieb auf und implementieren sie in eine Software.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Normalerweise arbeite ich neun bis zwölf Stunden am Tag. Je nach Projektphase kann es aber auch mal länger oder kürzer dauern. Teilweise bin ich jedoch von Schiffen abhängig – und die warten nicht auf mich. Da muss ich arbeiten bis das, was ich mir vorgenommen habe, realisiert ist.

Gibt es etwas in Ihrem Job, was man in anderen Berufen schwer findet?
Im Projektgeschäft findet man zum Beispiel ein sehr abwechslungsreiches Umfeld, in dem man mit hoher Eigenverantwortung agiert. Hier kommt die Arbeit nicht zu einem – man muss sie sich selbst suchen. Im Wort „Freiberufler“ steckt das Wort „frei“. Heißt: Ich habe die Möglichkeit mir Projekte zu suchen, kann sie aber auch ablehnen.

Gibt es Dinge, die sie an Ihrem Job nicht mögen?
Es gibt nichts, was mir nicht gefällt. Was einem aber bewusst sein muss ist, dass das Projekt immer vor geht und das Privatleben entsprechend arrangiert werden muss. Man braucht einen Partner, der das mitträgt. Außerdem ist es, im Gegensatz zu vielen anderen Berufen, so, dass man nicht nach Hause kommt und für den Tag fertig ist mit seinem Projekt.

Arbeiten Sie hauptsächlich hier an Ihrem Arbeitsplatz oder unternehmen Sie häufig Dienstreisen oder arbeiten von zu Hause aus?
Von zu Hause aus arbeite ich nicht. Für meinen Job brauche ich die Interaktion mit meinem Team. Dienstreisen muss ich natürlich machen, wenn das Projekt nicht da ist, wo ich wohne. Dann mache ich es meistens so, dass ich von Montag bis Donnerstag im Hotel schlafe und nur am Wochenende nach Hause komme.

Könnten Sie theoretisch Ihren Standort wechseln, beispielsweise in einen kleinen Ort Süddeutschlands oder ins Ausland ziehen?
Da ich dahin gehen kann wo die Projekte sind, bin ich relativ frei in der Wahl meines Wohnortes. Würde ich beispielsweise nach Mallorca ziehen, könnte ich innerhalb von 1-2 Flugstunden viele Ziele in Europa erreichen.

Arbeiten Sie eher allein oder im Team?
Ich arbeite hauptsächlich in kleinen Teams. Hier teilen wir uns die Arbeit auf.

Macht es Sinn ein Praktikum in Ihrem Bereich zu absolvieren? Gibt es andere Möglichkeiten einen Eindruck von der Arbeit als Projektmanager zu bekommen?
Ja, ich habe auch des Öfteren Praktikanten. Dies sind jedoch meist Studenten.

Welchen Abschluss benötigt man?
Das kann man nicht wirklich beantworten. Ein Studium ist jedoch sinnvoll.

Ist Mathematik wichtig für Ihren Beruf?
Nein, nicht wirklich. Man sollte jedoch über ein technisches Grundverständnis verfügen.

Muss man in Ihrem Beruf gut Englisch sprechen können?
Unbedingt! Die Sprache der Offshore-Branche ist Englisch.

In welchen Schulfächern sollte man sonst gute Noten vorweisen können?
In den Naturwissenschaften.

Welche „soft skills“ sind gefragt?
Man muss sich selbst organisieren können und sich auf Menschen einstellen können. In der Projektarbeit hat man es häufig mit Stresssituationen zu tun, in denen schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Da hilft es, ein Gespür für die anderen Teammitglieder zu haben.

Wie sieht es auf dem Arbeitsmarkt aus? Ist die Chance, später einen Job zu finden
groß?
An sich sehr gut. Wir sind aber am Anfang einer boomenden Branche. Daher kann man nicht sagen, wie sich das Ganze weiterentwickeln wird. Heute ist es jedoch so, dass man, wenn man ein Praktikum zufriedenstellend absolviert hat, bereits mehrere Jobangebote in der Tasche hat.

Was finden Sie, ganz generell, an der Offshore-Windenergie reizvoll?
Erstmal finde ich die Technik, die dahintersteckt, extrem spannend. Wir leisten Pionierarbeit: 150 Kilometer vor der Küste werden Windparks aufgebaut – ein ziemlich großer „Männerspielplatz“!
Dazu kommt, dass das, was wir machen, sinnvoll ist. Wir bauen alternative Energiewege auf und konnten in sehr kurzer Zeit einen sehr hohen Industrialisierungsstandard erreichen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man kommenden Generationen etwas Anständiges hinterlässt.